Wirrwarr

Ich hab mich lange vor diesem Beitrag gedrückt. Habe ihn aber bestimmt 100 mal im Kopf geschrieben.

Gefühle…
Ich sitze in unserem Bett, im Schlafzimmer im obersten Stockwerk unseres Hauses.
Durch die halb geschlossene Jalousie scheint die Sonne und ich sehe den Staub der durch die Luft wirbelt in den Sonnenstrahlen tanzt.
Mein Kopf drückt und ich vermute im Fernen ein erstes Donnern zu hören.
Über meine Wange läuft eine letzte Träne, die ich geweint habe und schon fast habe ich wieder vergessen warum.
Ein friedliches Schnaufen durchdringt meine Gedanken und ich schaue mir dieses kleine perfekte Geschöpf an, das vermutlich gerade träumt. Die kleinen Lider zucken und das Schnaufen wird unregelmäßig und schneller.
Der Traum scheint schnell wieder ruhig geworden zu sein, da das Atmen wieder gleichmäßig wird.
Ich bin glücklich. Irgendwie auf eine komische Weise zufrieden.
Nichts würde mich jetzt von diesem Ort vertreiben können.
Es tat gut meinen Tränen nach zu geben und sie über mein Gesicht plätschern zu lassen.
Meiner Lippen sind trocken und ich würde gern die Wasserflasche auf dem Nachtschrank erreichen.
Wenn ich mich jetzt bewege könnte es aber sein, dass ich sie wecke und ich würde vermutlich nicht wieder meine bequeme Position finden in der ich gerade bin.
Das Donnern klingt noch ferner und ich glaube leichten Regen zu hören.
Trotzdem scheint die Sonne. Irgendwo vermute ich einen Regenbogen. Das ist üblicherweise ja so wenn es regnet und gleichzeitig die Sonne scheint.
Vielleicht regnet es auch gar nicht und das Donnern war nur ein Nachbar der seine Mülltonne auf die Straße geschoben hat.
Im Stockwerk unter uns sehe ich förmlich die Arbeit vor meinem inneren Auge, die sich auf meinem Schreibtisch sammelt.
Ich versuche trotzdem zu entspannen und nicht daran zu denken, dass ich heute Abend wieder länger am Computer sitze als mir lieb ist.

Ich denke über alles nach. Über mich. Wie ich mich in den letzten 1,5 Jahren verändert habe. Auch wenn ich das Gefühl habe, keine Zeit mehr für mich zu haben, so habe ich doch viel mehr zu mir gefunden als ich es vorher je geschafft hätte.
Ich konnte feststellen dass meine Müdigkeitsgrenze sehr weit oben ist und ich Verständnis für Dinge aufbringen kann die nichtmal mein Gegenüber wirklich versteht.
Irgendwie habe ich nicht das Bedürfnis „wo anders“ zu sein. Ich möchte diesen Moment, dieses Gefühl ausschöpfen und am liebsten festhalten.

Gerade noch habe ich tiefste Verzweiflung und Angst an die Oberfläche gelassen und jetzt weiß ich, es ist es alles wert und vor allem bin ich es wert.
Meine Gedanken drehen sich jetzt um Ihn. Wie er versucht sein Bestes zu geben und schneller an seine Grenzen stößt als ihm lieb ist.
Morgen jährt sich der Unfall bereits zum 5.mal und ich überlege wie wir, in knapp 3 Wochen,  seinen 5. Geburtstag, das Erwachen aus dem Koma, feiern könnten.
Freundschaft wurde für uns seit der Geburt von Ae nämlich komplett neu definiert und wir mögen es in unserm selbst geschaffenen Rahmen zu sein. Die Freunde die wir jetzt um uns haben sind sehr familiär und wir bemühen uns nicht uns in irgendwelchen Situationen zu verstellen, weil wir wissen, dass sie uns besser kennen.
Manche sieht man öfter und andere nur ganz selten.
Es gibt Tage, da möchten wir uns verkriechen. Am liebsten hier in dem von tanzenden Staubkörnern durchtränkten Raum aber dann gibt es Tage, da möchte man die Welt umarmen. Ok, aber natürlich bitte nicht zu lang und kommt mir auch nicht zu nah! 😀
Ich bin nicht so auf Kuschelkurs 😀

Eltern sein hat etwas mit uns angestellt, dass wir selbst nach mehrwöchigen Festivals nicht geschafft haben – wir sind am Limit. Und genau das ist wichtig.
Wir durften uns voll und ganz kennen lernen, in den schwärzesten und in den hellsten Moment unseres Charakters.
Und wir haben es verdammt nochmal geschafft.
Bei jedem wird es im Leben einmal düster werden aber, und das weiß ich inzwischen sicher, es kommt auch wieder Sonnenschein.

Vermutlich liest sich das für euch ein bisschen wirr und ihr versucht immer noch raus zu lesen warum ich geweint habe, aber es sei mir verziehen..
Ich könnte euch viele Gründe nennen die mir einen solchen Moment bescheren können aber das ist nicht wichtig.
Es ist wichtig echt zu sein. Sich zu lieben und versuchen zu akzeptieren.
Als Mutter denke ich mir oft, ich hätte in manchen Situationen gerne anders reagiert oder wäre lieber früher ins Bett. Manchmal vergesse ich ob ich an dem Tag überhaupt schon etwas gegessen habe oder ärgere mich, dass ich den Chips am Abend nachgegeben habe.
Ich schaue mir Bilder von durchtrainierten Frauen auf Pinterest an und erstelle eine Pinnwand mit dem Namen „fit werden“.
Im gleichen Atemzug überlege ich ob ich nicht mal wieder einen Kuchen backe.
Dann ärgere ich mich über mein Gedanken Wirrwarr und wünschte ich wäre strukturierter.
Am allermeisten wünsche ich mir aber eigentlich Leid und Angst vor meinen Lieben fern halten zu können und da ich weiß, dass das gar nicht geht und leider auch zum Leben gehört lasse ich dem Wirrwarr freien lauf.

In den meisten Moment würde ich gern anders aussehen oder habe Angst mit meinem Blog und dem ganzen zu anders zu wirkendes ich bin. Ich habe auch Sorge, dass ich zu viele Gedanken damit verbringe und versuche die Geschehnisse in der Welt ganz weit von mir weg zu schieben.
Tu ich bestimmt an manchen Tagen mal mehr mal weniger gut. Aber Momente wie diesen hier, eingekuschelt im Bett. In meinem Arm ein wunderschönes kleines Mädchen liegen zu haben und langsam versuchen die Finger zu bewegen um feststellen zu müssen , dass sie eingeschlafen sind… Diese Momente geben mir selbst so viel Geborgenheit und Sicherheit, dass ich für einen kurzen Moment das Leid der Welt vergessen kann.

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Die Tränen der Erschöpfung haben mich in gewisser From kurz rein gewaschen und es fühlt sich an als hätte sich etwas gelöst, dass mir schon länger die Energie geraubt hat.

Meine Botschaft an euch ist, dass ihr zu lassen dürft wie und was ihr fühlt. Ihr dürft die Schulter eurer Freunde nutzen und euch anlehnen. Genauso dürft ihr euch aber zurück ziehen und mit euch allein sein.
Es erreichen mich immer viele Mails und Worte von (hauptsächlich) Frauen, die mit sich und der Welt zu kämpfen haben.
Eure Kämpfe werden gekämpft – so oder so. die Welt dreht sich weiter und ihr müsst lernen damit umzugehen.
Auch wenn einem viel widerfährt, dass man nicht als gut sehen kann, so seid ihr dafür verantwortlich was IHR daraus macht.

Ich entscheide mich übrigens für einen Kuchen an Steves 5. Geburtstag, der so gar nicht zu meinem Ernährungsbild passt – Brownies! Und wer sie schonmal gegessen hat, weiß wovon ich rede.

Für die Welt wünsch ich mir viel mehr Empathie und auf den Bilder die jetzt folgen bin ich nicht ungeschminkt. Ich war auch nicht um Urlaub. Ich habe einfach ganz viel Bronzer aufgetragen und den Orange-Stich in photoshop entfernt 😀

cheers,
Mau
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